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Liebe Leser,

im Rahmen einer Adventsaktion durfte ich mit dem geschätzten Krimi-Kollegen Neal Skye ein Cross-Over machen – bedeutet, sein Protagonist Rich aus Der Niagara Fall traf sich mit Louise de La Vallière , besser bekannt als Die Sonnenkönigin – Frankreichs vergessene Königin.
Die Ausgangsfrage lautete:

Was kann der Privatdetektiv Rich für Deinen Protagonisten tun?

Da ich hinsichtlich der Todesumstände Louises zu neuen Erkenntnissen gelangt bin, die auch das veränderte Todesdatum in der offiziellen Geschichte erklären, hatte sie in diesem Cross-over für Rich einen ganz besonderen Auftrag:

Cher Rich,

Durch meine liebreizende Autorin durfte ich Euch kennenlernen – wenn auch in literarischer Form. Und sie war es auch, die mir berichtete, dass Ihr zu Weihnachten, sagen wir, neue Fälle annehmt. Cher Rich, der meine ist ein besonderer. Ich hoffe – denn Ihr seid ja Amerikaner, und ihnen ist unsere Geschichte nicht wirklich vertraut – dass Ihr durch Euren Autor ein wenig der meinen kennt.
Rich, très cher, ich bin Louise, Frankreichs vergessene Königin, Ehefrau du Roy Louis XIV und Mutter seiner Kinder. Und man hat mich umgebracht. Deshalb steht ein falsches Todesjahr in den Aufzeichnungen. Deshalb hat man ein Bild einer meiner Töchter, die ebenfalls in ein Kloster eintreten musste, verwendet, um damit meinen vorgeblich natürlichen Tod zu inszenieren. Nein, mein Lieber, meine Mörder müsst Ihr nicht mehr finden. Von den Hauptverantwortlichen weiß ich. Es sind dieses:
Der Duc d’Orléans, mein Neffe, auch mein Schwiegersohn
Die Duchesse d’Orléans, seine Mutter
Der Duc de Bourbon, mein Enkel
Der Duc de Saint-Simon, der seine eigenen Interessen hatte
Die Marquise de Maintenon und
Louis-Armand de Bourbon, Prince de Conti, Schwager der Princesse de Conti, auf die das auch zutrifft.
Der Comte de Toulouse, der als Sohn meines Gatten galt, es aber nicht ist, und
die ehemalige Duchesse du Maine, die eine Zeitlang meine Schwiegertochter war, und die mich « und meine Brut », wie sie zu sagen pflegte, von Beginn an hasste.
Ich glaube, dass der initiale Plan, mir mein Leben zu nehmen, von ihr ausging, wenngleich ich die Maßnahme für etwas übertrieben halte, und der Duc d’Orléans, der zugleich ihr Geliebter war, ein mehr als williges Werkzeug. In jeder Hinsicht.
So. nun stehen sie geschrieben, die Namen. Denn ich will, dass die Welt weiß. Warum, fragt Ihr? Auch das müsst Ihr nicht mehr herausfinden. Ich weiß längst. Pardon, ich muss mich fassen. In den Jahren vor meinem Tod ereigneten sich einige seltsame Todesfälle am Hof, die insbesondere die Erblinie betrafen. Der Nachfolger meines Gatten war sein Urenkel, ein fünfjähriges Kind. Alle anderen – gegangen. Masern, sagte man. Masern lösen eine ganze Epidemie aus, und doch waren nur so wenige betroffen … und der Duc d’Orléans, er lächelte. Bei jedem einzelnen Begräbnis lächelte er. Und ich begann … Nachforschungen anzustellen. Über das Hinscheiden des Duc de Bourgogne und seines Sohnes, des Duc de Bretagne. Was ich fand, ließ mich schaudern. Und je mehr ich mich dem Übel näherte, desto mehr konnte ich meinen Gatten überzeugen, unser Kind in die Thronfolge aufzunehmen, um unser Land, denn das ist es, nicht unserem Neffen zu überlassen, denn das würde Frankreichs Untergang bedeuten. Als mein Gatte den Duc du Maine in die Thronfolge aufnahm und ich damit begann, meine neue Schwiegertochter auf ihr schweres Erbe vorzubereiten, war der Duc d’Orléans außer sich. Und er gab mir die Schuld.
Er sah nicht, wollte nicht sehen, was wir gesehen hatten – Frankreich in den Händen eines Kindkönigs, dem noch nicht einmal Vater und Mutter geblieben waren. Ein Kind, das kränkelte – und den « Masern » nur deshalb entronnen war, weil wir seine Erzieherin, Madame de Ventadour, angewiesen hatten, das Kind von diesem Moloch, zu dem unser Versailles geworden war, fortzubringen. Er sah nicht, wie in meinem Gatten die Schrecken seiner eigenen Kindheit – Revolution. Gewalt. Die Fronde – wieder auferstanden. Er sah nicht, wie der König sich nachts mit Alpträumen quälte, wenn die Geister seiner Jugend ihn bestürmten. Er hörte nicht seine Schreie. Er trocknete nicht seine verzweifelten Tränen.
Wir wollten dem Kind nichts nehmen. Doch unsere Verantwortung gebot uns, an den Staat zu denken. Ihm gebührt immer und in jedem Fall der Vorrang.
So verfasste mein Gatte mit meinem Wissen und meiner Billigung einen geheimen Zusatz zu seinem Testament – und stellte unseren geliebten Sohn vor eine schwere Wahl.
Der Duc d’Orléans sammelte die Verschwörer in Gesellschaft der ehemaligen Duchesse du Maine und des Comte de Toulouse, der die schändlichen Anlagen dieser Montespan in sich trug und in Erfahrung gebracht hatte, dass sein vermeintlicher Vater ihm diese Gunst durch sein Testament entziehen wollte. Auch das plante mein Gatte öffentlich zu machen. Offen zu legen, dass die Montespan zwar die Mutter, aber er nicht der Vater ist. Kein Erbe mehr für den Comte. Keine Thronfolge. Und die ehemalige Duchesse du Maine, ehrgeizig bis zum Dreck unter ihren Fingernägeln, die mehr ahnte als dass sie wusste, tobte vor Zorn.
Und so musste ich gehen.
Über die Art und Weise meines Todes möchte ich hier nicht sprechen. Es ist … zu schrecklich. Äußerlich unsichtbar, doch es fraß von innen.
Nach dem Tod meines Gatten brach ein Sturm los, der meinen geliebten Sohn und mein geliebtes Schwiegerkind in den Abgrund riss. Nur dem Eingreifen des spanischen Königs Felipe V, der unser Sohn und nicht der Enkel des Königs ist und seinen Beinamen El Animoso wahrhaft verdient, ist es zu verdanken, dass beide überlebten. Doch um welchen Preis …
Was wünsche ich mir nun von Euch, cher Rich? Mein Gatte begann nach meinem Tod seine eigenen Nachforschungen – und entdeckte alles. Seine eigene Lebenskerze leuchtete lange genug, all das, was er entdeckt hatte, aufzuschreiben und der Truhe anzuvertrauen, die der König von Frankreich seinem Nachfolger überreicht. Und er war klug genug, von diesen Aufzeichnungen Kopien anzufertigen, die er verschiedenen Personen anvertraute.
Auch Louis XV hat geschrieben – die wahre Geschichte, die er verschwinden machen wollte. Auch er hat die Truhe, an deren Macht er glaubte, für die Wahrheit benutzt. Feigling.
Nur ein gesalbter und geweihter König von Frankreich kann diese Truhe öffnen. Louis XVI konnte es noch, das wissen wir. Louis Philippe, der erste Thronräuber aus dem Hause Orléans, konnte es nicht. Mit seinem Sturz, er kam so an die Macht, wie er sie erlangte, nämlich durch Revolution, verschwand auch die Truhe. Doch ich glaube, dass sie wohlgehütet noch vorhanden ist. Irgendwo, wo niemand weiß, welche Kostbarkeit er beherbergt. Und das, cher Rich, ist mein Auftrag an Euch. Findet die Truhe des Königs von Frankreich, und helft mir auf diese Weise, unermesslich kostbare Dokumente, die meinen Tod belegen, ans Tageslicht zu bringen. Ich kann Euch nicht mehr bieten als meinen Dank. Es ist der Dank einer Königin.