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Louise de La Vallière ist arm. Von Adel, ja, aber so gering, dass selbst ihr Vater keinen Wert auf die Anrede mit diesem unbedeutenden Titel eines Sieurs legt. Ihr Dach über dem Kopf haben sie geerbt, und die Ehe Laurent de La Vallierès mit Françoise hat neues Geld in die Truhe gebracht, aber es rinnt schneller als neues nachkommt.
Nicht, weil Laurent ein Verschwender wäre. Im Gegenteil, das ist er nicht. Aber er ist das Modell eines Landsmannes, eines Gentilhomme, mit Werten und Idealen.
Er kümmert sich um seine Pachtbauern und steht dem kleinen Dorf mit Umsicht vor. Gerät jemand in kleinere oder größere Kalamitäten, hilft er aus. Er teilt sein Hab und Gut sprichwörtlich mit den Armen. Seine Frau sieht es mit Sorge.

«Was geht es uns an?»
Laurent lässt sich nicht beirren. Seine Frau schenkt ihm zwei Söhne. Söhne. Wundervoll. Söhne können sich selbst ernähren, Sie können in der Armee ihren Weg gehen. Sie können eine gute Partie machen.
Françoise ist zu Höherem bestimmt, das glaubt sie selbst. Lange setzt sie Laurent zu, das Umwandeln der Seigneurerie in ein Marquisat bei Roy Louis XIII zu erbitten. Nach langem Zögern willigt Laurent ein. Doch sein Schriftstück kommt zu spät. Der König, immer kränklich, ist endgültig seinen Leiden erlegen. Er konnte noch seine Zustimmung diktieren, die Erhebung ist aber nicht erfolgt. Zurück lässt er eine fröhliche Witwe und einen unglücklichen Kind-König, der noch nicht einmal fünf Jahre zählt.
Françoise macht ihrem Gatten bittere Vorwürfe.

Dann die dritte Schwangerschaft. Françoise macht sich Sorgen um das Wohl der Familie. Sie drängt ihren Mann so lange, bis er den weiten Weg durch das verwüstete Frankreich, es herrscht schließlich Krieg, nach Paris antritt. Bei der Königin bitten soll er. Sie an das gegebene Versprechen von Louis XIII erinnern. Die Königin empfängt ihn, den kleinen König an ihrer Seite. Laurent, vollendeter Höfling, trägt seine Bitte dem König vor. Ein hübscher Knabe, liebenswürdig, aber zurückhaltend. Schüchtern.
Die Stirn Anne d’Autriches umwölkt sich. Sie mustert den Bittsteller, streng, unerbittlich. La Vallière. Der Name lässt sie frösteln. Dann stehen Bilder in ihr auf. Der Blick der Königin wird starr. Nein! Sie weigert sich. Kein Marquisat. Keine Zulassung bei Hofe.
Laurent kehrt nach La Reugny zurück. Seine Ehefrau empfängt ihn nicht freundlich.

Als Louise 1644 in Tours im Stadthaus der La Vallierès geboren wird, seufzt ihre Mutter auf. Ein Mädchen. Auch das noch. Trotz des Genusses grüner Äpfel, die doch die Geburt eines Sohnes fördern sollen. Ein Mädchen kostet Geld, es muss verheiratet werden, ihre Mutter denkt bereits über die Mitgift nach. Neben der Mutter wacht eine Frau, die die Hebamme mitgebracht hat. Niemand kennt die Fremde, aber man sagt ihr nach, solange sie bei einer Geburt assistiere, würde es dem Neugeborenen an nichts fehlen.
Ha! seufzt die Mutter im Wochenbett. Es wäre der Kleinen zu wünschen.

Die Unbekannte nimmt den Säugling in den Arm. Sinnend sieht sie auf das Kind hinab. Dann flüstert sie eine Botschaft, nur vernehmbar für Vater und Mutter. Die Mutter lacht auf, unmöglich! Ihr Vater sieht der weisen Frau in die Augen und versteht.

«Wie», fragt diese, «wollt Ihr die Kleine nennen?»
«Françoise», sagt die Ruhende auf dem Wochenbett. «Nach mir.»
«Marie», sagt die weise Frau. «Nach die Gottesmutter, der Schutzpatronin der Königinnen von Frankreich.»
«Louise», sagt ihr Vater. «Nach dem König von Frankreich.»

À suivre.