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Ihr Lieben,

Manch einer hier hat mir ja schon als Inspiration gedient, und bei chère Le Alex Sax und mir knutscht die Muse häufiger wie wild, wie Alex sich auszudrücken pflegt.

Heute stammt meine Inspiration aus diesem Bild und der Unterhaltung, die Andrea R Walla und ich anschließend dazu geführt haben. Andrea hat mir gestern aus einem ganz anderen Kontext dieses Bild gepostet und dabei meine Liebe für Marienkäfer getroffen.

Auch die Anmerkungen von Andrea Agnes Annette Moll führten dazu, dass der Marienkäfer und seine Bedeutung mich beschäftigt haben. Und da fielen mir meine Aufzeichnungen wieder ein.

Aus einigen Notizen in meiner Schublade ist nun dIère Geschichte geworden, die in einem Fortsetzungsband der Sonnenkönigin landen wird.  Außerdem ist diese Geschichte ein echtes Herz-Stück und zeigt, was sich ergeben kann, wenn sich Autoren und Künstler zusammen tun.

Es ist kein blind Date, ich kannte das Bild ja im Vorfeld, und es ist eine Kurzgeschichte. Aber trotzdem sprang ein Funke über.

Anbei daß Bild und die Geschichte.

Andrea R Walla Fee

«Louise?»
Der König sucht seine Frau. Hier in der Einsamkeit nennt er sie so, bei ihrem Namen. Kein Titel, keine höfische Anrede. Hier ist sie Louise, er ist Louis. Seitdem der Hof das große Schloss bewohnt, man könnte auch sagen, bevölkert, ist es schwer, dort Ruhe zu finden. Dann ziehen sie sich zurück, der König und seine Frau, ins Trianon, das er für sie hat errichten lassen.
Hier hat sie die Tage nach der dunklen Zeit verbracht. Die Jahre im Kloster. Der König will nicht daran erinnert werden, noch weniger will er darüber sprechen, er nennt diese Tage immer nur die dunkle Zeit.
Wenn es ihnen zu viel wird, dort drüben im großen Schloss, dann finden sie hier zu ihrer Kraft zurück. Selbst manche Nächte verbringen sie hier. Der König durchquert dann in der Früh die Gärten und die geheimen Gänge des Schlosses von Versailles, um sich zum rechten Zeitpunkt dort einzufinden, wo man ihn erwartet.
Er liebt diese Promenaden am frühen Morgen, in einfachster Kleidung, so dass man ihn häufig nicht erkennt. Er spricht mit jedem, der ihm unterwegs begegnet, als der, der er ist, Louis. Dann kehrt er ins Schloss zurück und muss wieder König sein.
«Ich bin hier.»
Er lächelt. Dort, wo er annahm, ist sie, in ihrer beider Gemach, im Seitenflügel des Trianon. Ihre Zimmerfluchten dort sind nicht groß, aber lichtdurchflutet und luftig. Er kann nicht atmen in engen Räumen, sie drücken ihn und verursachen sein geheimes Lungenleiden, das lediglich seine Frau zu lindern vermag.
Der König tritt ein. Louise steht am Fenster, die großen Flügeltüren sind weit geöffnet, und atmet den Frühling ein. Sie ist noch en deshabille, in einem einfachen elfenbeinfarbenen Gewand, noch nicht für den Tag angekleidet. Sie wendet sich ihm zu, ein strahlendes Lächeln erhellt ihr Gesicht und lässt es schimmern wie die Sonne. Er liebt es, sie zu überraschen, einzig, um dieses Lächeln geschenkt zu bekommen.
Sie schmiegt sich in seine Arme, hebt ihm ihr Gesicht entgegen, er küsst sie sanft auf die Lippen. Für einen Augenblick verharren sie so. Zeit und Ort verlieren ihre Bedeutung.
«Du hier?» fragt sie dann, «vermisst man dich nicht?»
«Ach», sagt er und macht eine wegwerfende Handbewegung, «Man vermutet mich im Conseil. Nur, dass der Rat ohne mich auskommen muss.»
Sie lacht. Die Fähigkeit, zu verschwinden, wie es ihm beliebt, und ihn an einem anderen Ort zu vermuten als da, wo er sich aufhält, ist legendär.
«Warum bist du hier?» fragt sie.
«Weil ich dich sehen wollte», erwidert er und küsst ihr Haar.
«Das», erwidert sie und lehnt den Kopf an seine Schulter, « ist der beste Grund von allen.»
Wieder denen sich die Minuten zu Jahrhunderten und dauern doch nicht lang genug.
Sie wendet sich sanft in seinen Armen um und deutet hinaus.
«Dein Garten», sagt sie, «schau. Ich liebe ihn im Frühjahr, wenn er von neuem Leben kündet.»
« Unser Garten.» sagt er leise.
Für einen kurzen Augenblick verdunkelt sich ihr Gesicht. Sie denkt an das Kind, dass sie vor einigen Monaten geboren hat und nun als das Kind einer anderen gilt. Wieder einmal. Doch dieses Mal hat sie zugestimmt, schweren Herzens. Der Junge gilt nun als Enkel des Königs.
«Nicht, Louise», sagt er leise und streicht ihr mit der Hand über die Stirn.
Sie seufzt.
Dann fasst sie ihn bei der Hand.
«Komm.» Sie zieht ihn mit sich in den Garten.
Er weiß, wo sie hin will. Dort, wo einer der Bäume steht, die er für sie gepflanzt hat.
Für einen Augenblick hält er inne und mustert sie.
«In diesem Aufzug? Wenn dich jemand so sehe!»
«Louis, wir kommen hierher, weil uns hier niemand sieht.»
In der Tat lässt sie sich auf der Bank unter der Weide nieder. Die Weide. Vor 20 Jahren haben sie diesen Zweig mitgebracht. Sie lehnt sich an ihn, schließt die Augen.
Ihre Hände ruhen still in ihrem Schoß. Sie ist.
Da spürt sie ein Kribbeln an ihrem Zeigefinger. Sie öffnet die Augen, sieht das kleine Käferchen, das sich dort niedergelassen hat.
«Oh!»
Vorsichtig streckt sie den Finger aus. Ein Marienkäfer! Mit einem Punkt. In der Mitte.
Der König kann nicht anders, er lächelt von einer Tiefe, wie man sie bei ihm selten sieht.
«Sieh an,» sagt er, «ein kluger kleiner Kerl. Der Bote der Königin.»
Louise sieht ihren Mann an.
«Louis?»
«Der Marienkäfer», erklärt er geduldig, «ist das Schutzsymbol der französischen Königin. Er ist der Bote der Jungfrau, und die französische Königin steht unter ihrem Schutz.»
Louise lächelt.
«Gilt das auch für die Frau des Königs?»
«Oh,» erwidert er, «davon bin ich überzeugt. Vor allem, wenn er sie nicht nur zu seiner Frau nimmt, sondern auch zu seiner Königin macht.»
Ihre Augen weiten sich. Hätte nicht das Käferchen auf ihrem Finger Platz genommen, hätte sie sich von ihm gelöst. Aber Marienkäfer wehrt man nicht ab. Man schätzt ihren Besuch, bis sie sich von selbst wieder erheben.
Der König spürt, wie sie sich strafft.
«Nein!», stößt Louise hervor. «Ganz sicher nicht. Deine Frau, ja. Aber ich will nicht Königin sein.»
«Aber ich will es.»
Die grünen Augen des Königs verdunkeln sich.
«Zwanzig Millionen Franzosen kannst du mit deinem ,ich will es’ überzeugen, Louis.»
«Aber dich nicht. Louise, ich weiß. Du hast deinen eigenen Willen. Aber in diesem Falle ist das letzte Wort nicht gesprochen.»
«Doch», sagt sie leidenschaftlich. «Ich bin deine Frau, das muss genügen. Und glaube mir, niemand außer dir würde sich darüber freuen, mich als Königin zu sehen.»
Der König schüttelt unmutig den Kopf.
«Das stimmt nicht, und das weißt du selbst. Was aus dir spricht, ist Furcht. Und für diese hast du keinen Grund. Ich bin bei dir, immer.»
Nach einer Pause setzt er fort:
«Sieh mich an. Stört dich mein Titel so sehr, dass du ihn für dich selbst nicht haben willst?»
«Ich bin deine Frau vor Gott», erwidert sie und sieht ihm in die Augen, «mehr kann ich meine Liebe zu dir nicht ausdrücken.»
«Doch», sagt er. «Sobald das Trauerjahr verstrichen ist, werde ich dich noch einmal zur Frau nehmen. Vor Gott und vor den Menschen. Und alles weitere werden wir sehen.»
Der kleine Käfer sitzt noch immer aus dem Zeigefinger der zukünftigen Königin. Er hat seine Wahl getroffen. Ebenso wie der König.