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Mes chers,

ich schreibe nicht plötzlich Science-Fiction. Aber dennoch stelle ich hier ein neues Projekt vor, dass mir seit zwei Wochen durch den Kopf geistert.

Berlin 2089, Juli. Es liegt schon seit längerem eine unerträgliche Hitze über der Stadt. Die Menschen sind gereizt, angespannt. Hinzu kommt die unerträgliche Wasserverknappung. Die Regierung gibt sich alle Mühe, die Situation zu verbessern und zu lindern, doch sie scheint hilflos. Zumindest suggeriert man das den Bürgern. Und seitdem die Ausländer da sind, ist die Situation noch schlechter geworden. Sie werden von der Regierung bevorzugt, besser behandelt, zumindest glaubt man das.
Und an diesem heißen Juli-Tag geschieht es, dass sich die Situation verselbstständigt. Wütende Bürger, deren Wut angefacht ist durch einige, die gut reden können, wütende Bürger, die glauben, die Umstände seien schuld an ihrer Lage, bewaffnen sich und ziehen nach Berlin Köpenick. Sie haben sich nicht abgesprochen, ihre Handlung scheint spontan. Doch in Köpenick steht es, das Gefängnis, das für die Macht der Regierung steht.
Die dunkle Welle erfasst immer mehr Menschen. Schlussendlich weiß niemand mehr, worum es geht und warum man sich dem Mob überhaupt angeschlossen hat. Am Gefängnis angekommen, ist man überrascht, wie wenig dort los ist. Der Direktor, der weiß, was die Masse nicht weiß, nämlich, dass dieses Gefängnis nahezu nicht mehr benutzt wird, seit ewigen Jahrzehnten nicht, öffnet die Tore.
Der Mob stürmt herein, wütet durch die Gänge. Was soll das denn, keine Gefangenen? In diesem Bollwerk des Regimes? Was hat man denn da erzählt? Sie bedrängen den Direktor. Die Antwort, die er gibt, gefällt nicht. Wo sind sie, herrschen sie ihn an, wahrscheinlich hat man hiervon gewusst. Ihr habt sie alle auf Seite geschafft.
Draußen auf den Straßen haben sich die meisten Bürger zurückgezogen. Auch sie haben Angst, Angst vor dieser wütenden Masse, die nicht mehr Menschen gleicht. Wenn man diese Masse fragt, worüber sie wütend sind? Die Ausländer, deren Ankunft hier alles schlimmer gemacht hat. Die Wasserknappheit durch die elende Trockenheit. Was die Regierung tun soll? Ja, das können sie eigentlich auch nicht beantworten.
Draußen vor der Stadt spitzt sich die Situation zu. Wer es genau war, weiß man im Nachhinein nicht mehr. Der Direktor des Gefängnisses ist plötzlich ohne Kopf, man lässt seinen Leichnam liegen, steckt den Kopf auf eine Waffe und macht sich zurück auf dem Weg in die Stadt. Das Heulen der Masse und der Aufruhr lassen Berlin erzittern.

Fortsetzung folgt.

Liebe Leser,

Was haben Sie beim Lesen gedacht? Manch einer hat es vielleicht schon geahnt. Ich habe die Handlungen des 14. Juli 1789 nach Berlin verlegt. Warum?

Weil ich der Meinung bin, dass Gewalt und Terror niemals eine Lösung sind. Weil ich der Meinung bin, dass die französische Revolution keinen Weg in die Freiheit gezeigt hat, sondern das Gegenteil. Weil Louis XVI alles in seiner Macht stehende getan hat, um die Situation für sein Volk zu verbessern. Bis alles außer Kontrolle geriet und die Agitatoren die Macht übernahmen.

Würden wir heute einen solchen Bericht im Fernsehen sehen, würden wir nicht jubeln. Wir würden uns verängstigt zurückziehen und von einem Terrorakt sprechen. Denn nichts anderes war der Sturm auf die Bastille.

Die Marseillaise? Ein Lied, das Gewalt und Terror verherrlicht. Es ist für mich ein Widerspruch, dass auf der einen Seite alles für die Terrorbekämpfung getan wird, auf der anderen Seite aber durch Regierungen, die durch Terror entstanden sind.

Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Warum es keinen Frieden auf dieser Welt geben wird? Nun, ich habe gestern auf einer französischen Seite genau das kommentiert: Gewalt erzeugt immer Gegengewalt und ist nie eine Lösung. Ich bekam die platte Antwort: wenn das Volk an Hunger leidet, ist Gewalt eine Maßnahme.

Nein, Gewalt ist nie eine Maßnahme. Und: auch hier sollte man etwas genauer ins Geschichtsbuch sehen. Aber ein Volk, das vor Hunger auf die Barrikaden geht, liest sich natürlich besser als eine Situation wie die oben beschriebene.