Ihr Lieben,

Vom 07. bis zum 13. Mai 1664 gab es mit Les fêtes des Plaisirs de l’Ile Enchantée das erste der großen Feste in Versailles.
Das « Garteneinweihungsfest » – denn das Schloss selbst sah bei weitem nicht aus wie heute, und man muss ja auch bedenken, dass sich da auch der ein oder andere Nachfolger in unschöner Weise vergriffen hat, ist auch kulturell interessant, weil es die erste Zusammenarbeit zwischen dem Musiker Lully und dem Komödianten Molière gab.

Wer sich ein wenig von der Musik Lullys schließlich dieses Festes verzaubern lassen möchte, hört hier hinein:

Lully – L’Ile Enchantée

Die Interpretation gefällt mir übrigens sehr gut. Häufig werden barocke Stücke nicht mit dem Tempo gespielt, die der Komponist vorgesehen hat.
In dieser Interpretation ist die ganze Leichtigkeit und Freude dieses festes zu finden. Mein Kompliment.

Unter anderem wurde das Stück « La Princesse d’Elide » aufgeführt, von dem ich bisher leider noch keine deutsche Übersetzung gefunden habe. Vielleicht mache ich mich einmal selbst daran.

Diese Aufführung ist deshalb so außergewöhnlich, weil es zum ersten Mal zu einer Kombination zwischen Oper und Theater kam. Diese Zusammenarbeit wurde vom König selbst angewiesen, um ein Stück zu schaffen, dass Louise de La Vallière gewidmet werden sollte. Das Stück selbst wurde am 8. Mai aufgeführt.

Und nun, Ihr Lieben, lüfte ich wieder einmal etwas, was ich während meiner Recherchen herausgefunden habe.

Der König und Louise waren sich erstmalig während eines Besuchs des Königs in Blois begegnet und tatsächlich zufällig aufeinandergetroffen. Sie erkannte ihn nicht, so dass sich eine ungewöhnlich ungezwungen Unterhaltung ergab. Für beide war es gleichzeitig Liebe auf den ersten Blick.

In den Leseproben ist das Kapitel dazu enthalten.

Nun war der König auf dem Weg nach Spanien, um die geplante Heirat mit seiner Cousine in die Wege zu leiten. Eine Beziehung schien also unmöglich.

Ein Jahr später trafen die beiden noch einmal aufeinander, dieses Mal im Schloss von Amboise, wo Louise sich aufhielt. Der König setzte alles auf eine Karte, erklärte ihr seine Liebe und sprach auch davon, von der geplanten Ehe mit der spanischen Prinzessin zurücktreten zu wollen. Louise lehnte aus Gründen der Vernunft ab (« Ich hieß ihn zu gehen und mein Herz brach« ).

Das nächste Mal trafen die beiden dann in Paris aufeinander, und es fügte sich zusammen, was zusammen gehört. Einige Jahre später kam es dann tatsächlich zu einer heimlichen Eheschließung zur linken Hand, und zwar am 15. März 1663. Auch da widersetzte Louise sich heftig, denn schlussendlich war das Bigamie.
Hintergrund war aber das Eingreifen des Königs in die Auseinandersetzung mit Lothringen, er hatte Sorge, im Falle seines Todes Louise, die sein Kind trug, ungeschützt zurückzulassen. Die versiegelten Dokumente zu dieser Ehe-Schließung wurden an Monsieur Colbert übergeben.
Die Kirche habe ich übrigens gefunden und besucht.

Die Szenen habe ich in Worte gefasst: Die Ehe zur linken Hand.

Einen Teil dieser Geschichte hat der König in diesem oben genannten Stück aufschreiben lassen. Die Prinzessin repräsentiert Louise selbst – es gibt eine heimliche Liebe zum Prinzen von Ithaka, die die Prinzessin zurückweist. Die Anspielungen sind zum Teil sehr sehr explizit:

Euryale, pensant leur union impossible, s’apprête à épouser sa cousine.

Euryale, der ihre Beziehung für unmöglich hält, bereitet sich vor, seine Cousine zu heiraten.

Nach dem unglücklichen Ausgang in Amboise tat der König das ja tatsächlich.

Das Stück beginnt übrigens in Versen und wird dann in Prosa fortgeführt, weil der König ist unbedingt zu diesem Anlass zu Ende geschrieben haben wollte. Molière geriet in Bedrängnis und setzte in Prosa fort.

Die mit dem Stück vermittelten Liebesbekundungen waren übrigens offensichtlich erfolgreich. Im Januar 1665 gab es Nachwuchs.

Das ist meine Geschichtszahl der Woche.