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Louise de La Vallière will nicht. Sie weigert sich. Unrecht ist es, sagt sie. Es ist die einzig sinnvolle Möglichkeit, sagt er, für dich und unser Kind. Ich liebe dich, sagt er und streicht ihr über den leicht gewölbten Leib.
Hoffentlich geht es gut dieses Mal. Beim letzten Mal… Lassen wir das. Keine guten Gedanken.
Doch die Sorge ist die gleiche, wiegt schwerer noch. Louise trägt ein Kind. Louise ist ledig, ihre Familie arm, ihr Bruder, der noch in Frankreich lebt, seien wir ehrlich, ein Taugenichts. Der König will ihn gut verheiraten, lässt schon über die Ehe mit einer reichen Erbin verhandeln. Doch ob dies genügen wird, für Louises Schutz zu sorgen?
Es wird Krieg geben, wenn sich der Herzog von Lothringen nicht zusammenreißt. Und dann wird der König gehen müssen, mit seiner Armee, so wie es seine Pflicht ist. Beide denken nicht daran, wenn er… Nein.

Louise wird zurückbleiben, allein, ungeschützt, schlimmer noch, der Königinmutter ausgesetzt, die Louise mit ihrem Hass verfolgt, weil ihr Sohn Louise liebt.
Die Gedanken des Königs schweifen in die Vergangenheit, ins letzte Jahr, als er, ohne Louise einzuweihen, den Plan fasste, sie zu verheiraten. Schwerem Herzens. Sie, die sein Herz besitzt, in Gedanken die seine ist, sie soll den Namen eines anderen tragen, mit einem anderen vor dem Allmächtigen treten? Noch schlimmer der Gedanke an das, was dem Tag der Eheschließung folgt. Die Nacht. Die Nacht im Ehelager, in den Armen eines anderen. Nein! Niemals. Niemals. Niemals.
Der König hat eine Idee. Der Duc de Roquelaure, ein alter, dem Leben bereits entwöhnter Mann, ein großer Titel, ein kleines Vermögen, hat sich zur Ehe mit der, von der jeder weiß, dass sie die Geliebte des Königs ist, bereit erklärt. Der König nennt ein immenses Vermögen. Er ist bereit, für die Unversehrtheit der Geliebten zu bezahlen.
Bedingung: Mademoiselle de La Vallière bleibt im Stande der Unschuld. Zumindest, was dem Herzog angeht. Und doch bemerkt der König die Blicke, die der alte Mann der jungen Frau zuwirft. Lüstern. Dem König graust es. Er erhöht den Preis.
Dann die Eröffnung gegenüber Louise.
«Du wirst heiraten», erklärt er ihr, «ich will es».
Sie wird aschfahl, weicht vor ihm zurück.
«Nein», stößt sie hervor. «Jamais.»
Sie sieht ihn an als sei er ein Fremder.
«Eben noch sagtest du mir deine Liebe.»
«Deshalb», sagt er, «wirst du heiraten. Weil ich dich liebe.»
Sie schüttelt den Kopf. Ich wusste es, hämmert es darin, ich habe es immer gewusst. Ich bin nicht gut genug für ihn, und nun weiß auch er. Doch er wird ihre Niederlage nicht sehen, und auch nicht ihre Tränen. Sie strafft sich.
«Dann», sagt Louise langsam, «sind wir wohl fertig miteinander.»
Der Blick des Königs umwölkt sich.
«Warum sagst du das?»
Sein Ton wird streng.
«Keine Scharade. Wenn es zu Ende sein soll, dann gestatte mir, mit Würde zu gehen.»
«Gehen», ruft der König aus, «wohin denn?»
«Louis, wenn du mich nicht mehr willst, dann werde ich mich in ein Kloster zurückziehen. Denn niemals, niemals wird ein anderer Mann mein Herz besitzen können. Aber verlange nicht diese Spielchen von mir.»
Die Miene des Königs ist fassungslos.
«Wie kommst du darauf, dass ich dich nicht mehr wollen könnte? Eben weil ich dich will, sollst du heiraten.»
«Das ist ein merkwürdiger Beweis deiner Liebe», sagt Louise bitter.
Er fasst sie bei den Schultern.
«Verstehst du denn nicht», sagt Louis eindringlich, «deine Ehe ist dein Schutz.»
Er schweigt. Sie wartet. Sie weiß, dass weitere Worte folgen werden.
«Es wird Krieg geben, Louise. Ich muss dich zurücklassen, allein, mit dem Kind unter deinem Herzen.»
«Das werde ich durchstehen.»
Er sieht sie eindringlich an.
«Und wenn ich nicht…»
«Nein», unterbricht Louise den König und legt den Finger auf seine Lippen. «Sprich es nicht aus.»
«Aber wir müssen doch…»
«Nein», sagt sie hartnäckig, «das müssen wir nicht.»
Ein tiefes Schweigen senkt sich über das Gemach. Er nimmt sie in seine Arme, sie schmiegt sich an ihn, bettet dem Kopf an seine Schulter.
Er seufzt.
«Und deshalb wirst du heiraten. Kein Wort mehr darüber.»
Sie befreit sich aus seinen Armen, tritt einen Schritt zurück, sieht ihn mit blitzenden Augen an.
«Nein.»
Zum ersten Mal, seit sie in Liebe verbunden sind, widersetzt sie sich ihm. Dass sie ihren eigenen Kopf hat, das ist er gewöhnt. Eine angenehme Abwechslung gegenüber den Jasagern, die ihn umgeben. Oui, Sire.  Zum ersten Mal sieht er, wie sie gänzlich die Fassung verliert. Nun weint sie doch.
Er ist hilflos. Er will ihr nicht weh tun, und doch scheint er sie zwingen zu müssen.
«C’est dit», sagt der König von Frankreich, «es ist gesagt.»
Er kehrt ihr den Rücken zu und strebt der Tür entgegen. Louise muss begreifen…
Da – Ein Schluchzen hinter ihm. Ein einziges. So kann er sie nicht verlassen. Er wendet sich zu ihr um.
Louise ist außer sich, in ihr kämpfen Schmerz, Trauer, Zorn. Ohne einen weiteren Gedanken ergreift sie die kleine Vase, die neben ihr auf einer Konsole gestanden ist, und wirft sie ihrem Geliebten nach.
Das Gefäß zersplittert am Türrahmen. Eine kleine Scherbe verletzt den König, der rasch einen Schritt zur Seite macht, an der Augenbraue. Der Schnitt blutet geringfügig, wird aber eine Narbe hinterlassen.
Sie verharren beide, fassungslos.
«Was habe ich da getan»,  flüstert sie, leise, die Hand vor den Mund gehoben.
Und endlich versteht er. Eher wird sie ihr Leben verwirken als sich einem anderen Mann zu geben, auch nicht auf dem Papier.
Mit einigen raschen Schritten ist er bei ihr, umfasst sie, presst sie an sich. Sie schluchzt so heftig, dass er selbst erbebt.
Er stammelt ihren Namen, Worte der Verzeihung.
«Keine Heirat», sagt sie.
Er nickt stumm Gewähr.
Die Gedanken des Königs kehren in die Gegenwart zurück. Keine Heirat, sagte sie, nicht mit einem anderen. Nicht mit einem anderen. Er weiß, was er ihr vorschlagen wird. Sein Plan ist gefasst.