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Mes chers,

Ich bin traurig. Wütend. Sehr nachdenklich. Warum? Es ist nun auch mir geschehen. Ich bin Opfer geworden von Cybermobbing.

Noch immer bin ich überrascht darüber, wie schnell das gehen konnte. Noch immer bin ich überrascht darüber, dass so etwas geschehen kann, ohne dass man sich etwas zu Schulden kommen lässt. Nun bin ich eine erwachsene Frau, habe im Leben bereits einiges erlebt und einiges überstanden. Nur ungefähr kann ich mir vorstellen, was das mit Jugendlichen machen könnte, mit jungen Erwachsenen. Deshalb schreibe ich diesen Artikel.

Was ist eigentlich geschehen? Ich habe in aller Unschuld auf Facebook in einem persönlichen Beitrag, nicht in einer Gruppe, nach dem Partizip eines Verbs gefragt, das ich in einem anderen Beitrag gelesen hatte und so nicht kannte. Zugegeben: die Form las sich merkwürdig. Es entspann sich dann eine ernsthaft lustige Diskussion, die zum einen lehrreich war, denn ich und andere ebenfalls erfuhren, dass diese Form durchaus zulässig ist, und es war lustig, weil wir in der virtuellen Unterhaltung auf regionale Dialekte und ihre Ungewöhnlichkeiten kamen.

Zwei Tage später werde ich von einer Kollegin, ebenfalls Autorin, darauf aufmerksam gemacht, dass es einen Beitrag gibt, in dem der meine heiß diskutiert wird, keinesfalls in sachlicher Weise. Das Problem war folgendes: ich hatte nach einer Verbform gefragt, die eine weitere Autorin offensichtlich in ihrem Buch verwendet hat. Aus welchen Gründen auch immer nahm die Dame nun an, ich habe sie mit meiner Frage aufs Korn nehmen wollen. Anstatt bei mir nachzufragen, ob ich tatsächlich auf sie abgezielt habe, begann sie  genannten Beitrag.

Dieser begann dann noch relativ harmlos. « Madame hätte sich ja einen Duden nehmen können », « Madame hätte ja googeln können » waren noch die freundlichsten Kommentare.  Dann wurde das ganze zunehmend beleidigend. Was mich besonders erschreckt hat: andere Autoren, die mich nicht kannten und nicht kennen, machten unproblematisch und unreflektiert da mit. Gerade von  Autoren hätte ich erwartet, dass zu ihrer Aufgabe auch die Recherche gehört. Nein, auch hier: anstatt bei mir nachzufragen, ist es amüsanter, ins gleiche Horn zu stoßen.

Natürlich habe ich auf den genannten Beitrag  reagiert, habe die Situation er- und aufgeklärt. Dann wurde es surreal. Eine Dame aus dem Gefolge, die ich bisher gar nicht kannte, aber schon in anderen Beiträgen als wenig freundlich erlebt habe, brachte sich in die Konversation. Anstatt deeskalierend zu wirken, gab sie sich alle Mühe, das Feuer noch zu schüren. Meine Worte wurden verdreht, entstellt. Ich zog mich zurück – wohl  wissend, dass die Angelegenheit hinter meinem Rücken weiter gehen würde.

Damit hätte die Angelegenheit erledigt sein können. Nein. Ein vermeintlicher Facebook-Freund, vermutlich in engem Zusammenhang mit diesem Beitrag, machte sich die Mühe, mein Profil zu durchforsten und von vermeintlich diskreditierenden Posts Screenshots zu erstellen, um mich damit zumindest bei einer Gruppe ihrerseits zu diskreditieren.

Da blieben mir tatsächlich die Worte weg. Mes chers,  das ist wie virtueller Einbruch. Auf den Screenshots waren auch die Namen anderer Beteiligter zu sehen, die eben so unschuldig wie ich diese Unterhaltung geführt haben. Ich selbst musste dem Administrator der Gruppe  anschreiben, um zu erfahren, was da los war. Ich bat unter anderem um den Namen derjenigen Person, die diese Screenshots weitergegeben hat. Auf diese Antwort warte ich immer noch.

Durch eine Kollegin habe ich erfahren, dass die Hetze hinter meinem Rücken noch immer fortbesteht. Noch immer getragen durch vermeintliche Kollegen, die unreflektiert den Schutz der virtuellen Welt genießen, um sich in geneigter Weise auszutoben.

Warum ich jetzt an die Öffentlichkeit gehe? Sehr einfach. Nein, das geschieht nicht, um Aufmerksamkeit auf mein Buch zu locken. Es geschieht, weil mir der ein oder andere riet, mich zurückzuziehen. Darüber dachte ich im ersten Augenblick auch nach. Dann kam mir der entscheidende Gedanke: es sind immer, wirklich immer, die Opfer, die schweigen. Sie ziehen sich zurück und leben mit den Konsequenzen. Die ersten Freunde, die sich zurückziehen. Das ungute Gefühl beim Betrachten der Freundesliste. Die Täter kommen davon und machen weiter.

Deshalb von meiner Seite ganz klar: Nein. Zum einen schweige ich nicht. Zum zweiten soll es zeigen, wie leicht es geschieht. Jedem. Hätte man mir vor einem Monat  noch gesagt, dass es so leicht kann, Opfer einer solchen Attacke zu werden, hätte ich das verneint.

Zum Schluss noch eine Anekdote aus der Geschichte dazu: ein kleiner französischer Schreiber fiel Louis XIV dadurch auf, dass er sich bemühte, diskreditierende Berichte und entsprechende Artikel zu verfassen. Der König fackelte nicht lange und ließ den Herrn kommen. Er fragte nach dem Grund. Der Schreiber sagte  entwaffnend: « Sire, der Winter kommt bald. In der Bastille ist es warm und die Küche ist besser als bei mir zu Hause. Ich hoffte, dort überwintern zu können. Aber man muss schon einen Grund haben, um dort hinein zu gelangen. » Der König lachte und gab dem Herrn eine bezahlte Arbeit. Als Autor. Zeigt, wie viel ein Nachfragen wert sein kann.
Sehr verstört,

Louise