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Mes chers,

Heute möchte ich mit Euch über Self Publishing sprechen, und über Träume. Wie komme ich auf Träume? Meine Lieben, Schreiben ist mein Traum, und ich wünsche mir, dieses den  ganzen Tag tun zu können. Derzeit ist es aber leider noch nicht möglich, denn: kann man vom Schreiben leben?

Ich nicht, Mes chers, und viele der anderen fantastischen Autoren, die ich kennenlernen durfte, auch nicht. Die meisten von ihnen regeln ihr  Schreiben so wie ich: vor und nach dem  Brotberuf, im Urlaub, mitten in der Nacht, wenn man wegen einer wunderbaren  Idee aus dem Schlaf gerissen wird.

Nun, wir sind in guter Gesellschaft. Benn und Tschechov waren Ärzte, Kafka Jurist. Maupassant war im Ministerium der Marine beschäftigt. Andere wie Jean de La Fontaine waren ständig auf der Suche nach einem Mäzen und mussten, wenn sie einen gefunden hatten, dessen Wünschen entsprechen. Sie schrieben zwar, aber nicht aus dem Herzen. Gut, im Falle von La Fontaine muss man sagen, dass es eigene Ungeschicklichkeit war, die  in seine Lage brachte: Zu erpicht darauf, dem  König zu gefallen, der übertriebene Speichelleckerei nicht ausstehen konnte, ersann Monsieur La Fontaine einige poèmes, die an Louise de La Vallière gerichtet waren, und besang die junge Frau derart, dass der König annahm, er habe zu sehr hingesehen.

An diesen wenigen Beispielen sehen wir: durch das Schreiben zu leben ist einfach, dein Schreiben ist eine wundervolle Tätigkeit. Durch das Schreiben zu überleben, und das meine ich rein materiell, ist vielen von uns nicht möglich.

Deshalb sollte sich ein Self Publisher unbedingt folgendes fragen: warum schreibe ich? Bei manchen habe ich den Eindruck, dass sie davon überzeugt sind, dass Amazon die Sache für sie regelt. Meine Lieben, ich habe in letzter Zeit einige Diskussionen beigewohnt, wo es genau um dieses Thema ging. Eine der beliebtesten Antworten: um es zu verkaufen und einen möglichst hohen Ertrag  zu erzielen.

Nun kommt die Milchmädchenrechnung. Punkt eins: das Buch muss finanzierbar sein, und zwar aus Sicht des Lesers. Ich mache das einmal an meinem Beispiel fest. Mein Titel kostet als Print 12.99 EUR. Die Marge, die bei mir bleibt, liegt   bei ungefähr 10 %.

Genau, ungefähr 10 %. Mehr ist es nicht. Natürlich hätte ich den Verkaufspreis höher ansetzen können, genau dieser liegt ja bei mir als Self Publisher, aber: wird der Leser es dann noch kaufen?  Mes chers,  der Leser möchte einen Gegenwert für sein Geld. Ein Ratgeber von ungefähr 90 Seiten ohne Fotos für zehn Euro? Nein, das würde  ich selbst auch nicht bezahlen. Die Frage nach dem Ertrag ist also sehr relativ.

Nun kommt die zweite Crux: einige, die auf den Ertrag abzielen, möchten dann stattdessen die Kosten dezimieren. Das Problem ist altbekannt: Qualität hat ihren Preis. Natürlich kann ich ein paar Seiten bei irgend einem Online-Drucker drucken und heften lassen, am besten wird auch noch auf Korrektur verzichtet , aber bitte. Hand aufs Herz. Wer zahlt einen hohen Preis bei schlechter Qualität?  Euer Werk ist doch eure Visitenkarte. Wird der Leser motiviert sein, ein zweites zu kaufen, wenn ihm das erste nicht gefallen hat?  Ihr  kennt die Antwort.

Wenden wir uns einer weiteren Frage zu. Worüber schreibe ich? Mes chers, man sagte mir kürzlich noch, dass mein Buch kein Buch für die Masse sei. Das weiß ich. Mein Anliegen ist es aber auch nie gewesen, ein solches Buch zu schreiben. Mein Anliegen ist die Wahrheit, und dieses Anliegen hatte ich von der ersten Zeile an.

Nun, wenn ich aber ein Buch schreiben möchte, das am Markt erfolgreich ist, dann muss ich mir eine Zielgruppe überlegen. Vielleicht genügt noch nicht einmal das, denn es erscheint jedes Jahr etliche neue Titel. Von einer Sache bin ich überzeugt: der Leser merkt sofort, wenn man ein Buch aus kommerziellen Gründen geschrieben hat.  Der Leser merkt auch, wenn der Autor von einer Sache keine Ahnung hat.  Wenn ich den Eindruck habe, dass ich statt dem Buch auch hätte Wikipedia lesen können, bin ich als  Leser  enttäuscht. Wenn das 10.000ste  Buch über Diäten erscheint,  und damit meine ich nicht diejenigen  der Politiker, dann muss ich da ein Konzept finden, das mich überzeugt.

Mein Rat für alle Self Publisher ist also: Überlegt euch im Vorfeld, was Ihr wollt. Warum schreibt Ihr? Wer ist Eure Zielgruppe? Was erwartet Ihr selbst von Eurem Buch? Wie könnt Ihr es vermarkten – auch darum müsst Ihr euch selbst kümmern. Wie viel Zeit und Arbeit seid Ihr bereit zu investieren? Wenn das Buch fertig ist, seid Ihr  es noch lange nicht. Eigene Website. Twitter. Facebook. Pinterest. Instagram. Soziale Netze verstehen lernen. Euch authentisch präsentieren. Gekaufte Rezensionen bei Amazon bringen euch keine Käufer!

Denn, Mes chers, das Mäzenatentum hat leider heute keine große Bedeutung mehr. Dommage. Ein französischer König, der mich für meine bescheidenen  Büchlein bezahlt, hätte mir auch gefallen.

À suivre.

Votre Louise