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Mes chers,

 

Ich habe ja, angeregt durch eine Facebook-Diskussion, vor einigen Tagen einen ersten Erfahrungsbericht zum Thema Self Publishing auf diesem Blog gestellt. Diesen möchte ich nun gerne ergänzen.

Mein dringlichster Rat für alle Self Publisher ist folgender:

Vernetzt Euch wirklich rechtzeitig. Es gibt wunderbare Autorengruppen bei Facebook, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich möchte an dieser Stelle aber erinnern, dass alles ein Geben und ein Nehmen ist beziehungsweise sein sollte. Natürlich stelle ich dort viele Fragen, als Neuling bin ich dankbar, wenn ich von Kollegen lernen darf. Ich versuche aber auch, mein Wissen zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund teile ich ja auch meine Erfahrungen, weil ich hoffe, dass jemand seinen Nutzen daraus ziehen kann.

Außerdem: macht Euch rechtzeitig klar, welche Kosten auf Euch zukommen. Lektoren und Korrektoren lesen sicher recht gern, aber nicht gratis. Das geht auch nicht, denn sie müssen damit ihr Geld verdienen. Heißt, auf Euch kommen Kosten zu. Von einem Gebaren habe ich auf Facebook erfahren, und es gefällt mir gar nicht: offensichtlich erleben Korrektoren und Lektoren häufiger ein Feilschen um den Preis, das sich gewaschen hat.
Liebe Autoren, auch diese beiden Berufsgruppen müssen leben, und es sollte klar sein, dass für gute Arbeit auch gutes Geld verlangt werden kann.  Ihr kalkuliert irgendwann für Euer Buch einen Preis, an dem Ihr zumindest ein wenig  verdient.  Dann kalkuliert aber bitte auch, dass andere mit ihrer Arbeit ebenfalls leben müssen.  Ihr wollt euer Buch gewährtschätzt  wissen? Dann schätzt auch die Arbeit der anderen daran.  Ihr solltet Euch also überlegen: was ist Euch Euer Projekt wert?

Ich lehne mich jetzt sehr weit aus dem Fenster: ich habe nichts davon bemüht, keinen Korrekturleser und auch keinen Lektor.

Warum? Weil ich den Fehler der mangelnden Vernetzung gemacht habe und mit schlichtem googeln keinen Lektor gefunden habe, der mein Vertrauen genossen hätte. Warum keinen Korrektor? Weil  ich da ein wenig gebranntes Kind war: ich habe die erste Fassung vor Jahren von einem Korrektor lesen lassen. Etliches hat er übersehen und zudem Fehler hinzugefügt. Mit einer früheren Beteiligung in den entsprechenden Gruppen hätte ich mir zumindest Rat holen können.

Dass ich weder Korrektur noch Lektor hatte, schreibe ich auch deshalb hier so offen, weil ich doch überzeugt bin, dass man dennoch ein gutes Werk produzieren kann. Mes chers, ich möchte hier nicht die Debatte über die Qualität von Self Publishing lostreten.  Da stelle ich fest, dass es müßig ist.  Leider haben gute Self Publisher noch keine Lobby. Noch nicht.    Dank meiner Facebook Aktivitäten habe ich einige Self Publishing Perlen gefunden, auf die ich ohne diese Gruppen nicht gestoßen wäre. Da bedaure ich, dass diese Bücher im Handel nicht präsenter sind.

Wenn man also, so wie ich, wirklich nahezu alles allein macht,  dann bedeutet das vor allem eins: man hat einen Berg von Arbeit, die sorgfältig gemacht werden muss. Natürlich macht mir Schreiben mehr Spaß als das Lesen meines Textes zum 1000. Mal  oder das Überprüfen des Probeexemplars auf Seitenzahlen. Aber es muss gemacht werden, und zwar nach Möglichkeit qualitativ.

Und nachdem ich mittlerweile gesehen habe, wie wertvoll ein Korrektorat oder Lektorat durch andere ist, würde ich dessen Notwendigkeit absolut unterschreiben.

Meine Lieben, ich breche nach wie vor die Lanze für Self Publishing Autoren. Das Problem ist aber in der Tat, dass diejenigen, die mit der Haltung: « dann schreibe ich mal eben ein Buch » an die Sache herangehen, mit Sicherheit keine Qualität erzeugen werden. Im Gegenteil, sie sorgen auch dafür, dass die Qualität der anderen angezweifelt wird.

Deshalb noch einmal: überlegt Euch, was Euch euer Projekt wert ist. Es ist eine Investition, wie vieles im Leben. Und: Überlegt Euch, warum Ihr schreibt. Ein sehr entfernter Bekannter von mir hat via Self  Publishing einen Gedichtband herausgebracht und beklagt sich über die nahezu nicht existenten Verkäufe. Gut, Lyrik muss man mögen. Moderne Lyrik muss man erst recht mögen. Der Herr hat zudem sehr aufwändig ein Cover gestalten lassen und die Kosten in den Buchpreis hinein kalkuliert. Nun ist es aber häufig so, dass viele Leser  nicht bereit sind, knappe zehn Euro für 80 Seiten zu bezahlen. Ja, manche rechnen genau so.

Einen weiteren Aspekt möchte ich hier erwähnen, dessen Wichtigkeit  eine Kollegin hier hervorgehoben hat, deren Namen  ich gern nenne, wenn  sie einverstanden ist: die Authentizität. Als Autor sollte man hinter dem stehen, was man schreibt. Ich persönlich finde beispielsweise skandinavische Autoren ich persönlich finde beispielsweise skandinavische Autoren Namen seltsam, wenn derjenige dann aber die Sprache nicht einmal in Grundzügen beherrscht. Die weiteren Präsenzen, Blog, Website, sollten stimmig sein. Niemand würde mich ernst nehmen, würde ich nun eine Präsenz über Heavy Metal ins Leben rufen, mich erstaunt es ja schon selbst, dass ich den Begriff überhaupt kenne.

Man erlaube mir noch einen kleinen Einschub: wer über die Qualität meines Self  Publishing  Buches nörgeln  oder sie vielleicht sogar loben möchte, der möge es bitte kaufen und lesen.  Pari tenu. Klatscht,  wenn das Stück gut war, sagte Augustus auf dem Sterbebett, und Louis XIV  schrieb als Randbemerkung in seine Aufzeichnungen: Lese man und entscheide dann.

Ein für heute letzter Rat: setzt Euch mit den rechtlichen Dingen auseinander. Ich habe mich beispielsweise zum Thema Titelwahl anwaltlich beraten lassen. Wann ist ein Titel geschützt, wann ist er es nicht? Welche Fotos kann man für ein Cover benutzen, welche nicht?

Beim nächsten Artikel widme ich mich vielleicht möglichen Marketingmaßnahmen und den Einkaufstrategien im Buchhandel.

 

Votre Louise